Wundheilungsstörungen
 Ursachen, Diagnostik & modernes Wundmanagement

Wundheilungsstörungen zählen zu den häufigsten Problemen in der medizinischen und pflegerischen Praxis. Sie entstehen, wenn der physiologische Heilungsprozess verzögert abläuft, stagniert oder vollständig zum Erliegen kommt.

Insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen, Durchblutungsstörungen oder eingeschränkter Mobilität sind sie eine erhebliche Belastung – sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Versorgungsteams.

Wenn eine Wunde nicht innerhalb des erwarteten Zeitraums heilt oder sich trotz Behandlung verschlechtert, spricht man von einer Wundheilungsstörung.

Die normale Wundheilung verläuft in mehreren aufeinander abgestimmten Phasen. Kommt es in einer oder mehreren dieser Phasen zu Störungen, kann der Heilungsprozess ins Stocken geraten. Die Folgen sind eine verzögerte Heilung, chronische Wunden oder wiederkehrende Komplikationen. Wundheilungsstörungen betreffen sowohl akute als auch chronische Wunden und stellen sowohl für die Betroffenen als auch für die Versorgungsteams eine erhebliche Belastung dar.

Wie verläuft die normale Wundheilung?

Die normale Wundheilung gliedert sich klassisch in vier Phasen:

  • Exudations- bzw. Entzündungsphase: Unmittelbar nach einer Verletzung beginnt die Blutstillung. Gleichzeitig beginnt eine gezielte Entzündungsreaktion, bei der Immunzellen die Wunde reinigen und auf Keime reagieren. In dieser Phase sind typische Zeichen wie Rötung, Wärme, Schwellung und Schmerz normal. Diese Phase dauert in der Regel nur wenige Tage.
  • Granulations- oder Proliferationsphase: In dieser Phase bildet der Körper neues Gewebe. Blutgefäße sprießen ein und es wird Kollagen aufgebaut, um die Wunde von innen zu stabilisieren. Das sogenannte Granulationsgewebe füllt den Defekt schrittweise auf und schafft so die Grundlage für den späteren Wundverschluss.
  • Epithelisierungs- oder Regenerationsphase: Nun wandern Hautzellen vom Wundrand in das Wundareal ein und beginnen, die Wundoberfläche zu schließen. Gleichzeitig nimmt die Durchblutung des neu gebildeten Gewebes wieder ab und die Wunde wird zunehmend fester.
  • Remodellierungs- oder Narbenreifungsphase: In der letzten Phase wird das neu entstandene Gewebe langfristig umgebaut. Die Kollagenfasern ordnen sich neu, die Belastbarkeit der Haut steigt und die Narbe reift aus. Dieser Prozess kann Monate bis Jahre dauern.

Wichtig:
Wundheilungsstörungen entstehen häufig, wenn eine der Phasen verlängert ist oder nicht vollständig ablaufen kann. Dies kann beispielsweise durch Infektionen, Durchblutungsstörungen oder anhaltende mechanische Belastung verursacht werden.

Ursachen von Wundheilungsstörungen

In der Praxis sind Wundheilungsstörungen in der Regel multifaktoriell bedingt. Oft wirken mehrere hemmende Faktoren gleichzeitig zusammen.

Lokale Faktoren betreffen unmittelbar das Wundgebiet:

  • Infektionen

  • Unzureichende Durchblutung (z. B. pAVK, venöse Insuffizienz)

  • Anhaltender Druck oder mechanische Belastung

  • Fremdkörper oder Nekrosen im Wundgebiet

  • Ungünstiges Feuchtigkeitsmanagement

Systematische Faktoren beeinflussen die Wundheilung über den gesamten Organismus:

  • Diabetes mellitus

  • Mangelernährung (v. a. Protein-, Vitamin- und Spurenelementmangel)

  • Alter

  • Rauchen

  • Immunsuppression oder entzündliche Systemerkrankungen

  • Medikamente (z. B. Kortikosteroide, Zytostatika)

Diese Faktoren wirken sich auf Durchblutung, Zellneubildung und Immunabwehr aus und erhöhen das Risiko für verzögerte Heilungsverläufe deutlich.

Wie werden Wundheilungsstörungen festgestellt?

Da nicht jede schlecht heilende Wunde dieselben Ursachen hat, erfordert die Abklärung einer Wundheilungsstörung eine strukturierte medizinische Diagnostik. Je nach Art und Lokalisation der Wunde sind unterschiedliche Fachdisziplinen beteiligt.

Bei oberflächlichen Hautwunden sind Dermatolog:innen häufig die ersten Ansprechpartner:innen, bei tieferliegenden oder postoperativen Wunden sind es meist Chirurg:innen oder spezialisierte Wundmanager:innen wie unsere Kolleg:innen von OPED Wundversorgung.

Zu Beginn steht immer ein ausführliches ärztliches Gespräch (Anamnese). Dabei werden unter anderem folgende Aspekte erfragt:

  • Seit wann besteht die Wunde und wie ist sie entstanden?
  • Haben sich der Wundzustand oder die Schmerzen im Verlauf verändert?
  • Gab es zwischenzeitlich Phasen der Besserung?
  • Bestehen Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl oder andere Anzeichen einer Infektion?
  • Gibt es bekannte Vorerkrankungen wie Diabetes, Gefäßerkrankungen oder Immunschwäche?
  • Gab es bereits frühere Wundheilungsstörungen?
  • Wurden Wundauflagen oder Medikamente nicht vertragen?

Mithilfe dieser Informationen lässt sich bereits einschätzen, ob es sich um eine akute oder chronische Wunde handelt und ob systemische Faktoren eine Rolle spielen.

Im nächsten Schritt erfolgt eine klinische Untersuchung der Wunde. Dabei beurteilt der Arzt oder die Ärztin:

  • die Durchblutung,
  • die Sensibilität und
  • die Beweglichkeit im betroffenen Areal.
  • Ausdehnung und Tiefe der Wunde,
  • Beteiligung tieferer Strukturen wie Sehnen oder Knochen.

Erreicht die Wunde knöcherne Strukturen, besteht beispielsweise das Risiko einer Osteomyelitis (Knochenentzündung). In diesem Fall ist eine weiterführende Diagnostik erforderlich.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Beurteilung des Wundzustands. Hierbei wird unter anderem geprüft, ob:

  • Anzeichen einer Infektion (z. B. Rötung, Eiter, Geruch) vorliegen,
  • nekrotisches oder abgestorbenes Gewebe vorhanden ist, 
  • oder, ob die Wunde als aseptisch, kontaminiert oder septisch einzustufen ist.

Abschließend wird die Wunde einer Wundheilungsphase zugeordnet. Diese Einschätzung ist entscheidend für die weitere Therapieplanung und Prognose. Bei ausgeprägten oder therapieresistenten Wundheilungsstörungen können zusätzliche Untersuchungen, wie etwa bildgebende Verfahren, mikrobiologische Diagnostik oder gefäßmedizinische Abklärungen, notwendig sein.

Therapie und modernes Wundmanagement im Überblick

Bei der Behandlung von Wundheilungsstörungen ist ein ursachenorientiertes und strukturiertes Vorgehen erforderlich. Das Ziel besteht darin, heilungshemmende Faktoren zu identifizieren und diese gezielt zu reduzieren. Dazu gehört sowohl die Behandlung von Grunderkrankungen als auch die Optimierung lokaler Bedingungen.

Ein modernes Wundmanagement berücksichtigt:

  • Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Diabetes, Gefäßerkrankungen)
  • die Sicherstellung einer ausreichenden Durchblutung
  • konsequente Druckentlastung bei belastungsabhängigen Wunden
  • frühzeitige Infektionskontrolle
  • eine stadiengerechte, atraumatische lokale Wundtherapie
  • ein angepasstes Feuchtigkeitsmanagement
  • die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen

Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel aller Maßnahmen. Leitlinien betonen, dass der nachhaltige Behandlungserfolg nicht durch einzelne Produkte, sondern durch ein abgestimmtes Gesamtkonzept erreicht wird.

Merke: Moderne Wundversorgung folgt dabei dem Grundsatz: Nicht die einzelne Maßnahme heilt die Wunde, sondern das abgestimmte Gesamtkonzept.

Wenn Sie Unterstützung in der Wundversorgung benötigen, kontaktieren Sie uns gern. Gemeinsam prüfen wir, wie wir Sie bestmöglich unterstützen können.

Für Patient:innen
erklärt: 

Was ist eine Wundheilungsstörung?

Wenn eine Wunde nicht heilt, liegt das meist nicht an der Wunde selbst, sondern an anderen Faktoren wie Durchblutungsstörungen, Diabetes oder Druckbelastung. Eine frühzeitige Abklärung und professionelle Wundversorgung sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die Heilung zu fördern.

Häufige Fragen zu
chronischer Wunde (FAQ)

Eine Wundheilungsstörung liegt vor, wenn eine Wunde über einen Zeitraum von mehreren Wochen keine Anzeichen einer Heilung zeigt oder sich sogar verschlechtert.

Ja. Besonders bei älteren Patient:innen oder bei bestehenden Grunderkrankungen treten sie häufig auf.

Eine gute Durchblutung, Druckentlastung, gesunde Ernährung und eine frühzeitige fachliche Versorgung senken das Risiko dafür deutlich.

Für die Wundheilung ist eine ausreichende Durchblutung entscheidend, da nur so Sauerstoff, Nährstoffe und Immunzellen in das betroffene Gewebe gelangen können. Ist die Durchblutung eingeschränkt – etwa durch arterielle oder venöse Erkrankungen –, verzögern sich die Heilungsprozesse deutlich. Deshalb ist die Überprüfung der Gefäßsituation bei schlecht heilenden Wunden von entscheidender Bedeutung.

In der Regel heilen kleine Wunden unkompliziert. Bestehen jedoch Grunderkrankungen wie Diabetes, Durchblutungsstörungen oder eine geschwächte Immunabwehr, können selbst kleine Hautverletzungen schlecht abheilen. Werden diese nicht behandelt oder weiter belastet, können sie sich zu chronischen Wunden entwickeln.

Spätestens dann, wenn eine Wunde über mehrere Wochen hinweg keine erkennbare Heilung zeigt, sich vergrößert oder Entzündungszeichen auftreten, ist eine fachliche Abklärung erforderlich. Eine frühzeitige Einschätzung durch spezialisierte Fachkräfte oder Ärzt:innen kann dabei helfen, Komplikationen zu vermeiden und den Heilungsverlauf gezielt zu steuern.

Quellen:

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  • de. Wundheilungsstörung: Ursachen, Häufigkeit, Behandlung [Internet]. o. J. [zitiert 2026-01-12].
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  • ETHIANUM Klinik Heidelberg. Wundheilungsstörungen [Internet]. Heidelberg; o. J. [zitiert 2026-01-12].
    Verfügbar unter: https://www.ethianum-klinik-heidelberg.de

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