Epidermolysis bullosa (Schmetterlingskrankheit) –
Ursachen & Symptome

Epidermolysis bullosa (EB), auch bekannt als „Schmetterlingskrankheit“, ist eine seltene, genetisch bedingte Hauterkrankung, bei der bereits geringe mechanische Belastungen zu Blasen und Wunden führen.

Was ist Epidermolysis bullosa (EB)?

Epidermolysis bullosa (EB) ist eine erblich bedingte Erkrankung, bei der die Haut extrem verletzlich ist. Schon leichte Reibung oder Druck können Blasenbildung und offene Wunden verursachen.

EB umfasst eine Gruppe genetischer Erkrankungen, bei denen strukturelle Proteine fehlen oder fehlerhaft sind, die normalerweise die Hautschichten miteinander verbinden. Dadurch kommt es bereits bei minimaler mechanischer Belastung zu einer Trennung der Hautschichten – es entstehen Blasen, Erosionen und chronische Wunden.

Je nach Form der Erkrankung können neben der Haut auch Schleimhäute, Nägel oder innere Organe betroffen sein. Der Verlauf reicht von milden Formen bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Ausprägungen.

Ursachen und Enstehung

Die Ursache der Epidermolysis bullosa sind genetische Veränderungen, welche die Struktur und Stabilität der Haut beeinträchtigen. Vor allem Proteine, die normalerweise für die feste Verbindung der verschiedenen Hautschichten sorgen, sind betroffen. Dazu zählen Kollagen, Keratine und Laminine.

Durch diese genetischen Defekte ist die mechanische Belastbarkeit der Haut deutlich reduziert. Bereits geringe Reibung, Druck oder alltägliche Bewegungen können ausreichen, damit sich die Hautschichten voneinander lösen. In der Folge entstehen Blasen, Erosionen und offene Wunden.

Je nach betroffenem Bereich und Ort innerhalb der Haut unterscheidet sich die Tiefe der Schädigung. Dies ist auch entscheidend für die Einteilung in unterschiedliche Formen der Erkrankung sowie für den individuellen Verlauf.

Wichtig ist: Epidermolysis bullosa ist angeboren und nicht ansteckend. Die Erkrankung wird genetisch vererbt und begleitet Betroffene meist lebenslang.

Formen der Epidermolysis bullosa

Epidermolysis bullosa ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern umfasst verschiedene Formen, die sich in Bezug auf Schweregrad, betroffene Hautschicht und Verlauf unterscheiden.

Am häufigsten kommt die Epidermolysis bullosa simplex (EBS) vor. Dabei liegt die Schädigung in der obersten Hautschicht. Die Blasenbildung tritt meist lokalisiert auf und heilt in vielen Fällen ohne Narbenbildung ab.

Bei der junktionalen Epidermolysis bullosa (JEB) ist die Verbindungsschicht zwischen Ober- und Lederhaut betroffen. Diese Form verläuft häufig schwerer und kann bereits im Säuglingsalter zu ausgeprägten Hautschäden führen.

Bei der dystrophen Epidermolysis bullosa (DEB) liegt die Schädigung in den tieferen Hautschichten. Typisch hierfür sind chronische Wunden, Narbenbildung und funktionelle Einschränkungen, beispielsweise durch Verklebungen von Fingern oder Zehen.

Eine seltenere Form ist das Kindler-Syndrom, das Merkmale verschiedener EB-Typen kombiniert und mit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit einhergehen kann.

Die genaue Einteilung ist nicht nur diagnostisch relevant, sondern auch entscheidend für Therapie und Prognose.

Symptome und Erscheinungsbild

Das klinische Bild der Epidermolysis bullosa ist durch eine ausgeprägte Fragilität der Haut geprägt. Bereits geringste mechanische Einwirkungen können zur Bildung von Blasen führen. Diese Blasen öffnen sich schnell und entwickeln sich zu schmerzhaften, nässenden Wunden.
Typisch sind wiederkehrende oder chronische Hautdefekte, deren Ausprägung je nach Form der Erkrankung unterschiedlich stark sein kann. In schwereren Formen kommt es häufig zu Narbenbildung, die langfristig zu Bewegungseinschränkungen führen kann.
Neben der Haut können auch andere Strukturen betroffen sein. Dazu zählen Nägel, Schleimhäute im Mund- und Rachenraum sowie in schweren Fällen innere Organe. Dies kann zu zusätzlichen Beschwerden wie Schluckstörungen oder einer erhöhten Infektanfälligkeit führen.

Epidermolysis bullosa Die Schmetterlingskrankheit

Typische Symptome zusammengefasst:

  • Blasenbildung bereits bei geringer Belastung
  • chronische Wunden
  • schmerzhafte Hautdefekte
  • Narbenbildung
  • eingeschränkte Beweglichkeit

Je nach Schweregrad können zusätzlich auftreten:

  • Nagelveränderungen
  • Schleimhautbeteiligung
  • Infektionen

Ein zentrales Merkmal ist die hohe Schmerzbelastung durch die offenen Wunden und wiederkehrenden Verletzungen. Daher spielt neben der Wundversorgung auch das Schmerzmanagement eine entscheidende Rolle. 

Bedeutung für die Wundversorgung

Die Wundversorgung bei Epidermolysis bullosa (EB) stellt besondere Anforderungen an alle Beteiligten. Aufgrund der extrem empfindlichen Haut ist ein konsequent atraumatisches Vorgehen unerlässlich. Bereits kleinste mechanische Belastungen, etwa beim Entfernen von Verbänden, können neue Wunden verursachen.

Ein zentrales Ziel der Versorgung ist es, bestehende Wunden zu schützen, Schmerzen zu reduzieren und die Entstehung neuer Läsionen möglichst zu vermeiden. Dazu werden speziell geeignete, nicht haftende Wundauflagen verwendet, die ein schonendes Management ermöglichen.

Darüber hinaus ist die Infektionskontrolle von großer Bedeutung, da offene Hautstellen ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Besiedelung darstellen. Regelmäßige Wundkontrollen und eine sorgfältige Dokumentation sind daher essenziell.

Die Versorgung erfordert in der Regel ein interdisziplinäres Vorgehen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen, Pflegefachkräften und Angehörigen.

Zusammenfassung der Anforderungen an die Wundversorgung:

  • atraumatisches Arbeiten ist essenziell
  • Verbandwechsel müssen besonders schonend erfolgen
  • Vermeidung von Reibung und Druck ist zentral
  • Infektionsprophylaxe spielt eine wichtige Rolle

Ziel ist nicht nur Heilung, sondern vor allem Schmerzlinderung, Schutz und Lebensqualität.

Therapie und Management

Da Epidermolysis bullosa derzeit nicht heilbar ist, liegt der Fokus der Behandlung auf einer symptomorientierten Therapie. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden.

Ein zentraler Bestandteil ist die individuell angepasste Wundversorgung, die sich am jeweiligen Wundzustand orientiert. Ergänzend dazu spielt das Schmerzmanagement eine wichtige Rolle, da viele Betroffene unter erheblichen Beschwerden leiden.

Weitere Maßnahmen umfassen den Schutz der Haut vor mechanischen Belastungen, beispielsweise durch spezielle Kleidung oder Polsterungen, sowie eine angepasste Alltagsgestaltung.

In komplexen Fällen ist eine interdisziplinäre Betreuung erforderlich, die neben Dermatologie und Wundmanagement auch weitere Fachbereiche einbezieht.

Parallel dazu werden neue Therapieansätze, insbesondere im Bereich der Gen- und Zelltherapie, intensiv erforscht. Diese könnten zukünftig neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Für Patient:innen
erklärt

Was ist Epidermolysis bullosa?

Bei Epidermolysis bullosa ist die Haut sehr empfindlich, ähnlich wie die Flügel eines Schmetterlings. Schon leichte Berührungen oder Reibung können Blasen oder Wunden verursachen.

Die Erkrankung ist angeboren und nicht ansteckend. Betroffene benötigen eine besonders schonende Pflege von Haut und Wunden, um Schmerzen zu vermeiden und Infektionen vorzubeugen.

Häufige Fragen
zu Epidermolysis bullosa (EB)(FAQ)

Die Schmetterlingskrankheit ist ein anderer Begriff für Epidermolysis bullosa. Er beschreibt die extreme Empfindlichkeit der Haut, die bereits bei kleinster Belastung verletzt werden kann.

Aktuell gibt es keine Heilung. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung von Beschwerden, den Schutz der Haut und die Versorgung von Wunden.

Beide Hautschäden haben unterschiedliche Ursachen und erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Eine korrekte Einschätzung ist daher entscheidend für Prävention und Behandlung.

Durch genetische Defekte fehlen stabilisierende Strukturen in der Haut. Dadurch lösen sich die Hautschichten bei Belastung voneinander.

Die Behandlung erfolgt individuell und umfasst Wundversorgung, Schmerztherapie, Infektionskontrolle und Schutzmaßnahmen für die Haut.

Siehe auch im Fachlexikon unter EB nach.

Sie ist zentral. Ziel ist es, Wunden schonend zu versorgen, Schmerzen zu reduzieren und Infektionen zu vermeiden.

Quellen:

  • MSD Manual. Epidermolysis bullosa – Erkrankungen der Haut.
    MSD Manual Profi-Ausgabe.
  • Universitätsklinik für Dermatologie. Epidermolysis bullosa / Schmetterlingskrankheit.
  • Orphanet / Rare Diseases.
    Epidermolysis bullosa.
  • Debra International / Rare Diseases Plattform. Über Epidermolysis bullosa.
  • DocCheck Flexikon. Epidermolysis bullosa.
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