Postoperative Wundversorgung
bei Acne inversa.
Hinweis: Im folgenden Fallbeispiel finden Sie Fotos einer Wundbehandlung. Diese können für manche Betrachter:innen belastend wirken.
Die operative Behandlung einer Acne inversa ist oft nur ein Teil des Heilungsprozesses. Das folgende Fallbeispiel zeigt, wie moderne Wundversorgung, Schmerzlinderung und interdisziplinäre Zusammenarbeit den Heilungsverlauf einer großflächigen, postoperativen Wunde positiv beeinflussen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Wenn große Wunden den Alltag bestimmen
Für viele Menschen mit Akne inversa ist die operative Sanierung ein Hoffnungsschimmer für einen Neuanfang. Doch gerade bei ausgedehnten Befunden entstehen nach dem Eingriff oft große Wundflächen, deren Versorgung Geduld, Fachwissen und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert.
Das folgende Fallbeispiel unserer Wundassistentin – WAcert DGfW Simone Lieberum zeigt, welche Rolle die postoperative Wundversorgung für den weiteren Heilungsverlauf spielen kann – und dass die Behandlung nicht mit der Operation endet.
2. Ausgangssituation
Große Wunde nach operativer Sanierung einer Acne inversa
Als Herr G. Anfang März 2024 erstmals gemeinsam mit seinem Hausarzt und unserer Wundexpertin Simone zu uns kam, lag bereits eine herausfordernde Wundsituation vor. Nach der operativen Sanierung einer Acne inversa Hurley Grad II in der rechten Achselhöhle hatte sich eine großflächige postoperative Wunde entwickelt.
Zwar war mit der Operation die Ursache der chronischen Entzündungen behandelt, doch die eigentliche Herausforderung begann erst danach. Gerade bei ausgedehnten Befunden ist eine sorgfältige postoperative Wundversorgung entscheidend dafür, wie komplikationsarm die Heilung verläuft und wie schnell Patient:innen in ihren Alltag zurückfinden.
Mit einer Ausdehnung von rund 15 x 21 Zentimetern und einer Tiefe von etwa drei Zentimetern stellte die Wunde sowohl für den Patienten als auch für die weitere Versorgung eine große Herausforderung dar.
Abgesehen von einer ausgeprägten Adipositas war der 1986 geborene Patient gesundheitlich weitgehend unbelastet. Dennoch beeinträchtigten die Größe der Wunde, die starke Exsudation und die damit verbundenen Schmerzen seinen Alltag erheblich. Trotz bereits eingesetzter Verbandmaterialien zeigte sich, dass eine strukturierte und eng begleitete Versorgung notwendig sein würde, um den Heilungsverlauf positiv zu beeinflussen.
3. Unsere Kollegin Simone Lieberum
Simone ist Wundassistentin – WAcert DGfW, Wundexpertin ICW®, Exam. Krankenschwester und verfügt über langjährige Erfahrung in der Versorgung komplexer Patientinnen und Patienten. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie mehr als 16 Jahre in der neurologischen Rehabilitation und begleitete Menschen mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern auf ihrem Weg zurück in den Alltag.
Im Laufe ihrer beruflichen Entwicklung spezialisierte sie sich zunehmend auf die Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden. Sie absolvierte unter anderem Weiterbildungen zur Wundexpertin ICW® und zur Wundassistentin DGfW®. Anschließend war sie acht Jahre in einem Wundzentrum tätig und sammelte dort umfassende Erfahrungen in der modernen Wundversorgung.
Seit Juni 2023 verstärkt sie das Team von OPED Wundversorgung und betreut die Region Mittelhessen. Dabei ist ihr die enge Zusammenarbeit mit Ärzt:innen, Pflegediensten und Patient:innen besonders wichtig. Für sie steht nicht allein die Wunde, sondern immer der Mensch dahinter im Mittelpunkt. Vertrauen, offene Kommunikation und gemeinsame Entscheidungen bilden aus ihrer Sicht die Grundlage für eine erfolgreiche Versorgung.
Der hier vorgestellte Fall hat für Simone eine besondere Bedeutung. Zum Zeitpunkt der Versorgung war sie noch vergleichsweise neu in ihrer Region unterwegs. Umso mehr freut sie sich rückblickend über das ihr von allen Beteiligten entgegengebrachte Vertrauen und den positiven Heilungsverlauf des Patienten.
4. Therapieentscheidung
Weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität
Bereits bei der ersten Wundvisite stand für Simone fest, dass neben der eigentlichen Wundheilung vor allem die Lebensqualität des Patienten berücksichtigt werden musste. Der Patient gab die Schmerzen zu Beginn mit vier von zehn Punkten an. Gleichzeitig sollte vermieden werden, dass die täglichen Verbandwechsel den Alltag zusätzlich belasten.
Simone wusste aus ihrer bisherigen Erfahrung, dass bestimmte Verbandkonzepte insbesondere bei schmerzhaften Wunden gute Ergebnisse erzielen können. Gemeinsam mit dem Hausarzt und dem Patienten wählte sie daher ein Versorgungskonzept, das sowohl die Exsudatkontrolle als auch die Schmerzlinderung in den Mittelpunkt stellte. Ergänzend erhielt Herr G. Empfehlungen zur Ernährung und zu einer erhöhten Eiweißzufuhr, um den Körper während der Heilungsphase bestmöglich zu unterstützen.
Auch die häusliche Versorgung wurde frühzeitig berücksichtigt. So wurde der Patient beispielsweise angeleitet, die Wunde vor den Verbandwechseln gründlich mit einem Sterilduschfilter auszuduschen. Gleichzeitig wurde ein Pflegedienst eingebunden, um eine kontinuierliche Versorgung im Alltag sicherzustellen.
5. Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Hand in Hand für die Wundheilung
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Fall war die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Bereits zu Beginn fanden die Wundvisiten gemeinsam mit dem Hausarzt in dessen Praxis statt. Gleichzeitig wurde ein Pflegedienst in die Versorgung eingebunden und von Simone hinsichtlich der Wundbehandlung angeleitet.
Diese enge Abstimmung ermöglichte schnelle Anpassungen der Therapie und schuf Sicherheit für alle Beteiligten. Während der Hausarzt die medizinische Betreuung übernahm, sorgte der Pflegedienst für die regelmäßigen Verbandwechsel im häuslichen Umfeld. Simone begleitete den Verlauf kontinuierlich und dokumentierte die Entwicklung der Wunde lückenlos.
Gerade bei komplexen Wunden zeigt sich immer wieder, wie wichtig eine offene Kommunikation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen ist. Für Simone ist dieser interdisziplinäre Ansatz eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wundversorgung.
6. Sichtbare Fortschritte innerhalb weniger Wochen
Wenn Heilung plötzlich greifbar wird
Bereits nach zwei Wochen zeigten sich erste deutliche Veränderungen. Die Schmerzen hatten sich halbiert und wurden vom Patienten nur noch mit zwei von zehn Punkten angegeben. Gleichzeitig reduzierten sich die Wundbeläge sichtbar und das allgemeine Wohlbefinden verbesserte sich spürbar.
Auch im weiteren Verlauf entwickelte sich die Wunde erfreulich. Die große Wundfläche begann zunehmend zu granulieren, die Exsudation nahm ab und die Anzahl der notwendigen Verbandswechsel konnte schrittweise reduziert werden. Für Simone war es besonders bemerkenswert, wie schnell sich die Wundsituation stabilisierte. Rückblickend gibt sie an, dass sie zu Beginn nicht mit einem derart positiven Heilungsverlauf gerechnet hatte.
Die positiven Veränderungen blieben auch den anderen Beteiligten nicht verborgen. Sowohl der Hausarzt als auch das Praxisteam und der Patient selbst äußerten sich sehr zufrieden über den Verlauf der Behandlung.
7. Mehr als nur Wundversorgung
Vertrauen entsteht nicht von allein
Dieser Fall hat Simone nicht nur fachlich, sondern auch persönlich sehr gefordert. Als die Versorgung begann, war sie erst seit wenigen Monaten im Außendienst für OPED Wundversorgung tätig. Die Region Mittelhessen war für sie neu und OPED Wundversorgung war dort noch wenig bekannt. Entsprechend groß waren anfangs die Zweifel, ob es gelingen würde, das notwendige Vertrauen bei Ärzt:innen, Pflegediensten und Patient:innen aufzubauen.
Umso mehr freut sie sich heute über den erfolgreichen Verlauf dieses Falles. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die offene Zusammenarbeit mit dem Hausarzt und das ihr entgegengebrachte Vertrauen. Dieser Fall zeigt für Simone eindrucksvoll, dass moderne Wundversorgung weit über Verbandmaterialien hinausgeht. Entscheidend sind Vertrauen, Kommunikation und die Bereitschaft aller Beteiligten, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten.
8. Was wir aus diesem Fall lernen können
Erfolgreiche Wundversorgung ist Teamarbeit
Der Fall von Herrn G. zeigt, dass eine erfolgreiche Behandlung von Akne inversa nicht mit dem chirurgischen Eingriff abgeschlossen ist. Gerade bei großen postoperativen Wunden ist die anschließende Versorgung entscheidend dafür, wie schnell und komplikationsarm die Heilung verläuft.
Neben geeigneten Verbandmaterialien sind dabei vor allem eine enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten, eine konsequente Nachsorge und die aktive Einbindung der Patient:innen entscheidend.
Bemerkenswert war insbesondere die schnelle Schmerzreduktion und die positive Entwicklung der großflächigen Wunde innerhalb weniger Wochen. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall, dass eine erfolgreiche Wundversorgung weit über die Behandlung der Wunde hinausgeht. Die Einbindung des Hausarztes, die Unterstützung durch den Pflegedienst und die aktive Mitarbeit des Patienten waren entscheidend für den weiteren Heilungsverlauf.
Für Simone bleibt dieser Fall bis heute in besonderer Erinnerung. Einerseits aufgrund der Größe und Komplexität der Wunde, andererseits, weil ihr als noch relativ neue Ansprechpartnerin in der Region so viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Dieser Verlauf bestätigt für sie einmal mehr, dass moderne Wundversorgung dann besonders erfolgreich sein kann, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Ziel arbeiten: der bestmöglichen Versorgung der Patientinnen und Patienten.
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Häufige Fragen zu Acne inversa?
Acne inversa, auch als Hidradenitis suppurativa bezeichnet, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Sie betrifft vor allem Hautareale mit vielen Schweißdrüsen wie die Achselhöhlen, die Leisten oder die Gesäßregion. Typisch sind wiederkehrende Entzündungen, schmerzhafte Knoten und Abszesse, die im Verlauf zu Fistelgängen und Narben führen können.
Bei fortgeschrittener Acne inversa wird das entzündete Gewebe in der Regel großflächig chirurgisch entfernt. Dadurch entstehen teilweise ausgedehnte Wundflächen, die nicht sofort verschlossen werden können und über einen längeren Zeitraum offen verheilen. Eine strukturierte postoperative Wundversorgung unterstützt die Heilung und hilft, Komplikationen zu vermeiden.
Die Dauer der Heilung hängt unter anderem von der Größe der Wunde, dem allgemeinen Gesundheitszustand sowie möglichen Begleiterkrankungen ab. Auch Faktoren wie Ernährung, Exsudation und eine konsequente Wundversorgung können den Heilungsverlauf beeinflussen. Große postoperative Wunden benötigen oft mehrere Wochen bis Monate, bis sie vollständig verheilt sind.
Eine ausreichende Versorgung mit Eiweißen und Nährstoffen unterstützt den Körper bei der Wundheilung. Insbesondere bei chronischen oder tiefen Wunden steigt der Bedarf an Energie und Proteinen deutlich an.
Grundsätzlich unterstützt Wundexsudat die Wundheilung. Eine übermäßige Exsudation kann jedoch die Wundränder schädigen und das Risiko für Komplikationen erhöhen. Ein angepasstes Exsudatmanagement hilft dabei, ein feuchtes Wundmilieu zu erhalten und die umliegende Haut gleichzeitig zu schützen.
Bei der Behandlung komplexer Wunden ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzt:innen, Pflegediensten, spezialisierten Wundexpert:innen und den Patient:innen selbst oft von Vorteil. Durch regelmäßige Abstimmungen können Therapieentscheidungen schneller angepasst und der Heilungsverlauf kontinuierlich begleitet werden.
Die Hurley-Klassifikation beschreibt den Schweregrad einer Acne inversa. Hurley Grad II ist durch wiederkehrende Entzündungen mit einzelnen Fistelgängen und Narbenbildung gekennzeichnet. Im Vergleich zu Grad I ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, jedoch noch nicht so ausgedehnt wie bei Hurley Grad III.
Mit der Operation wird das entzündete Gewebe zwar entfernt, doch die Behandlung ist damit häufig noch nicht abgeschlossen. Eine strukturierte postoperative Wundversorgung unterstützt den Heilungsverlauf, reduziert Komplikationen und hilft Patientinnen und Patienten dabei, möglichst schnell wieder in ihren Alltag zurückzukehren.
Quellen:
- 013-012l_S2k_Therapie-Hidradenitis-suppurativa-Acne-inversa_2024-08.pdf
- Hurley-Schweregrade – Altmeyers Enzyklopädie – Fachbereich Dermatologie



