Wundheilungsstörung & Ödem
trotz Kompression
Hinweis: Im folgenden Fallbeispiel finden Sie Fotos einer Wundbehandlung. Diese können für manche Betrachter:innen belastend wirken.
Bei Wundheilungsstörungen unter Alltagsbelastung sind praxisnahe Versorgungskonzepte erforderlich. Wenn trotz konsequenter Kompression keine ausreichende Verbesserung eintritt, sind individuelle Lösungen gefragt. Der folgende Praxisfall zeigt, wie die Kombination aus Wundtherapie, Kompression und abschwellenden Maßnahmen zu einer positiven Entwicklung beitragen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Fallbeispiel
Wundheilungsstörungen werden häufig mit höherem Lebensalter oder schweren Grunderkrankungen in Verbindung gebracht. Umso überraschender ist es, wenn genau diese Problematik bei jungen, aktiven Patient:innen auftritt. Zeitdruck, hohe körperliche Belastung und fehlende therapeutische Freiräume können den Heilungsverlauf erheblich beeinflussen. In solchen Fällen zeigt sich, wie wichtig eine Versorgung ist, die sowohl medizinische Anforderungen als auch die Lebensrealität der Patient:innen berücksichtigt. Diesen Ansatz verfolgen Stefanie Eisner und Christiane Hammes bei OPED Wundversorgung konsequent.
Der Fall ist besonders relevant für Pflegekräfte, Wundversorger:innen und Arztpraxen, die Patient:innen mit Ödemen und eingeschränkter Therapieumsetzbarkeit begleiten.
2. Unsere Wundexpertinnen
Stefanie Eisner bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung als examinierte Krankenschwester mit. In ihrer beruflichen Laufbahn arbeitete sie in besonders anspruchsvollen Bereichen, unter anderem in der Versorgung querschnittsgelähmter Patient:innen, in der septischen Chirurgie und in der Behandlung von Menschen mit schweren Brandverletzungen. Diese Stationen haben ihren fachlichen Blick für komplexe Wundsituationen nachhaltig geprägt.
Seit vier Jahren ist Stefanie Teil von OPED Wundversorgung und bringt als Fachtherapeutin Wunde ICW® ihre umfassende klinische Erfahrung gezielt in die ambulante Wundversorgung ein.
Ihr Fokus liegt auf individuellen Versorgungslösungen, die medizinisch fundiert sind und sich gleichzeitig realistisch in den Alltag der Patient:innen integrieren lassen – insbesondere bei komplexen Wundsituationen und hoher Alltagsbelastung wie im vorliegenden Beispiel.
Christiane Hammes ist seit 1998 examinierte Krankenschwester und bringt über 25 Jahre Erfahrung aus einer Unfallklinik mit, insbesondere in der Versorgung von Patient:innen mit Rückenmarksverletzungen. In diesem anspruchsvollen Bereich stehen professionelle Teamarbeit und die individuelle Betreuung der Patient:innen im Mittelpunkt. Genau dieser Blick prägt auch heute noch ihre tägliche Arbeit. Ergänzend zu ihrer klinischen Ausbildung hat sich Christiane zur Wundexpertin ICW® weiterqualifiziert und bringt dieses Wissen gezielt in die Versorgung ein.
In den letzten vier Jahren ihrer klinischen Tätigkeit arbeitete sie auf einer Weaning-Einheit, einem spezialisierten Bereich der Intensivmedizin, in dem Patient:innen schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt werden. Auch dort waren Fachlichkeit, Geduld und ein enges Zusammenspiel im Team essenziell und haben ihren Anspruch an eine sichere und ganzheitliche Versorgung weiter geschärft.
So führte ihr Weg sie schließlich zu OPED Wundversorgung, wo sie seit Dezember 2024 Teil unseres Teams ist. Besonders wichtig ist ihr dabei die Zusammenarbeit: Ein guter Austausch zwischen allen Fachrichtungen ist für Christiane sehr wichtig, da nur so eine gute Wundversorgung stattfinden kann, bei der stets die individuelle Lebenssituation zu bedenken ist.
Stefanie und Christiane wissen beide, wie wertvoll ein starkes Team als fachliches Back-up ist. Gerade in komplexen Versorgungsverläufen ist es entlastend und entscheidend, schwierige Situationen nicht allein tragen zu müssen, sondern gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Diese Haltung prägt ihre Arbeit bei OPED Wundversorgung bis heute – und zeigt sich auch in der engen Zusammenarbeit innerhalb unseres Teams.
3. Warum dieses Fallbeispiel wichtig ist
Dieses Fallbeispiel ist besonders, da es nicht dem klassischen Bild eines „typischen“ Wundpatienten entspricht. Der 30-jährige Patient ist berufstätig, Vater von zwei kleinen Kindern, Nichtraucher und hat keine relevanten Vorerkrankungen. Trotzdem kam es zu einer stagnierenden Wundheilung, die seinen Alltag zunehmend beeinträchtigte.
Der Fall des 30-jährigen zeigt exemplarisch, wie trotz konsequenter Kompression Wundheilungsstörungen auftreten können und warum ergänzende Maßnahmen zur Ödemreduktion sowie alltagstaugliche Versorgungskonzepte entscheidend sind.
4. Ausgangssituation
Ausgangspunkt der Versorgung war eine Wunde am Unterschenkel, die vermutlich durch einen Insektenstich verursacht worden war. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine ausgeprägte Wundheilungsstörung, die von einer anhaltenden Schwellung des Beins begleitet war. Die bereits etablierte Kompressionstherapie zeigte jedoch keinen ausreichenden Effekt.
Im Rahmen der bisherigen Versorgung kamen verschiedene Wundauflagen zum Einsatz. Zusätzlich trug der Patient einen maßgefertigten, flachgestrickten Kompressionsstrumpf, den er zuverlässig und konsequent anwendete. Trotz dieser guten Therapieadhärenz bestand weiterhin eine ausgeprägte Schwellung der betroffenen Extremität, insbesondere im Bereich der Wundumgebung. Die bestehende Kompression allein reichte somit nicht aus, um das Ödem ausreichend zu reduzieren.
Eine zusätzliche lymphologische Therapie in Form regelmäßiger Lymphdrainagen ließ sich aufgrund der beruflichen und familiären Situation des Patienten nicht regelmäßig realisieren. Der Patient berichtete von zunehmender Frustration, da sich trotz aller Bemühungen bislang keine spürbare Verbesserung eingestellt hatte.
5. Therapieentscheidung: Warum diese Kombination?
Da die Schwellung der Extremität trotz konsequent getragener, maßgefertigter Kompressionsstrümpfe weiterhin bestand, wurde entschieden, die bestehende Therapie gezielt zu ergänzen. Das Ziel bestand darin, die Ödemreduktion weiter zu unterstützen und das Wundmilieu nachhaltig zu verbessern.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine erfolgreiche Versorgung nur möglich sein würde, wenn sich die Maßnahmen realistisch in den Alltag des Patienten integrieren ließen. Der zeitliche Aufwand sollte daher möglichst gering gehalten werden, ohne dass dabei die Wirksamkeit beeinträchtigt wird.
In Abstimmung mit dem behandelnden Hausarzt und unter Einbeziehung der Angehörigen wurde eine ergänzende Therapie ausgewählt, die der Patient selbstständig zu Hause durchführen konnte und die die Abschwellung unterstützt. Die Wahl fiel auf eine intermittierende Impulskompression mit dem System VADOplex von OPED.
VADOplex ermöglicht eine eigenständige Anwendung zu Hause. Diese Therapieform wurde bewusst ausgewählt, da sie eine wirksame Unterstützung der Ödemreduktion bieten kann und sich gleichzeitig flexibel in den Berufs- und Familienalltag integrieren lässt.
Die Entscheidung erfolgte im Rahmen der bestehenden Wundversorgung und in enger fachlicher Abstimmung mit den behandelnden Personen.
6. Behandlungsverlauf
Die Behandlung befindet sich aktuell weiterhin in der aktiven Phase und wird fortlaufend begleitet und angepasst. Die Anwendung der VADOplex erfolgt selbstständig im häuslichen Umfeld, überwiegend in den Abend- und Nachtstunden. Dadurch lässt sie sich gut mit dem Berufs- und Familienalltag des Patienten vereinbaren.
Im bisherigen Verlauf kam es zu einer vorübergehenden Hautreaktion. Darauf wurde zeitnah reagiert und die Anwendung entsprechend angepasst. Parallel dazu wurde der Heilungsverlauf eng begleitet und aufmerksam beobachtet.
Aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes erfolgte ergänzend eine weiterführende Diagnostik, da der Verdacht auf ein Pyoderma gangraenosum bestand. In diesem Zusammenhang wurde eine Cortisontherapie eingeleitet, die aktuell weiterhin Bestandteil des therapeutischen Gesamtkonzepts ist.
Die Versorgung wird kontinuierlich überprüft und bei Bedarf angepasst. Das Ziel besteht weiterhin darin, den Heilungsverlauf stabil zu unterstützen und weitere belastende Faktoren frühzeitig zu erkennen.
9. Ergebnisse & bisheriger Verlauf
Im bisherigen Verlauf hat sich die Schwellung der betroffenen Extremität deutlich reduziert. Die Wundsituation hat sich stabilisiert, die Sekretion ist rückläufig und der Patient berichtet von einer spürbaren Entlastung im Alltag. Insbesondere das Zusammenspiel aus konsequent getragener Kompression, ergänzender Impulskompression und angepasster Wundtherapie wirkt sich bislang positiv aus.
Da die Behandlung noch andauert, liegt der aktuelle Fokus auf der Stabilisierung der erzielten Fortschritte und der kontinuierlichen Beobachtung der Wund- und Ödemsituation. Die sichtbaren Veränderungen tragen dazu bei, die Motivation des Patienten aufrechtzuerhalten und die empfohlenen Maßnahmen weiterhin zuverlässig umzusetzen.
10. Wissenschaftlicher Kontext
Ödeme gelten als wesentlicher hemmender Faktor bei der Wundheilung. Eine anhaltende Schwellung kann die Mikrozirkulation beeinträchtigen, den Abtransport von Gewebeflüssigkeit erschweren und das Wundmilieu negativ beeinflussen. Entsprechend kommt der effektiven Ödemreduktion eine zentrale Bedeutung im Rahmen der Wundversorgung zu.
Intermittierende Impulskompression kann ergänzend zur Kompressionstherapie eingesetzt werden, um den venösen und lymphatischen Rückfluss zu unterstützen und die Gewebeschwellung zu reduzieren. Studien, unter anderem zum System VADOplex, zeigen, dass diese Therapieform zur Verbesserung der Mikrozirkulation beitragen kann und sich insbesondere für Patientinnen und Patienten eignet, die therapeutische Maßnahmen eigenständig und alltagsnah durchführen können.
Im vorliegenden Fall wurde die Impulskompression bewusst als ergänzende Maßnahme in das bestehende Versorgungskonzept integriert. Die Anwendung erfolgt stets in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzt:innen und wird fortlaufend fachlich begleitet.
(Quelle: Clinical Review VADOplex)
11. Praxisrelevanz & Lessons learned
Das Fallbeispiel von Stefanie verdeutlicht mehrere zentrale Aspekte der modernen Wundversorgung.
- Auch junge und gesunde Menschen können von Wundheilungsstörungen betroffen sein.
- Alltagstauglichkeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Therapie.
- Die Ödemreduktion spielt eine zentrale Rolle im Heilungsverlauf.
- Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist essenziell.
- Die interne Vernetzung innerhalb von OPED Wundversorgung sowie die Zusammenarbeit mit unseren Kolleg:innen von OPED ermöglichen kurze Wege und eine gezielte Auswahl geeigneter Hilfsmittel
12. Fazit & Ausblick
Dieser Fall zeigt, dass Wundheilungsstörungen nicht nur eine medizinische Herausforderung darstellen, sondern immer auch im Kontext der individuellen Lebensrealität betrachtet werden müssen. Gerade bei jungen, beruflich stark eingebundenen Patient:innen ist die Alltagstauglichkeit einer Therapie entscheidend für ihre Umsetzbarkeit und ihren Erfolg.
Im vorliegenden Fall konnte durch die Kombination aus konsequent getragener Kompression, ergänzender intermittierender Impulskompression und angepasster Wundtherapie eine spürbare Stabilisierung erreicht werden. Da sich die Behandlung noch in der aktiven Phase befindet, liegt der Fokus aktuell auf der Sicherung der bisherigen Fortschritte und der kontinuierlichen Anpassung der Maßnahmen an den Heilungsverlauf.
Der Fall unterstreicht die Bedeutung einer engen fachlichen Begleitung, interdisziplinären Zusammenarbeit und flexiblen Versorgungskonzepte. Wir verstehen Wundtherapie dabei als kontinuierlichen Prozess, der Fachwissen, Erfahrung und individuelle Lösungen verbindet, um Patient:innen langfristig Sicherheit zu geben und Heilung Schritt für Schritt zu unterstützen.
13. Bleiben Sie auf dem Laufenden!
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14. Passende Artikel
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Häufige Fragen zu Wundheilungsstörungen
Ja, auch bei regelmäßig getragener, maßgefertigter Kompression kann es zu einer stagnierenden Wundheilung kommen. Mögliche Ursachen sind eine anhaltende Ödembildung, eine eingeschränkte Mikrozirkulation oder zusätzliche belastende Faktoren wie Zeitmangel und eine hohe Alltagsbelastung. Kompression ist zwar ein wichtiger Bestandteil der Therapie, ersetzt jedoch keine ganzheitliche Betrachtung der Versorgungssituation.
Die Reduzierung von Ödemen ist entscheidend für eine erfolgreiche Wundheilung. Anhaltende Schwellungen können die Durchblutung beeinträchtigen, den Abtransport von Gewebeflüssigkeit erschweren und das Wundmilieu negativ beeinflussen. Eine gezielte Unterstützung der Ödemreduktion kann daher wesentlich zur Stabilisierung und Verbesserung der Wundsituation beitragen.
Eine alltagstaugliche Wundversorgung berücksichtigt neben den medizinischen Anforderungen auch die Lebensrealität der Patient:innen. Therapien müssen so gestaltet sein, dass sie sich mit beruflichen, familiären und zeitlichen Rahmenbedingungen vereinbaren lassen. Nur wenn Maßnahmen realistisch umsetzbar sind, können sie langfristig erfolgreich angewendet werden.





